In diesem Blog dreht sich alles um Technik, mit der ich täglich in Berührung komme. Normalerweise schreibe ich über Web- und Serverkrams. Heute aber geht es um Ampeln. Warum? Weil das Thema extrem technisch ist. Schließlich sind diese Anlagen vollgepackt mit Sensoren, Steuergeräten, Routern und Repeatern.

Auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz muss ich mit dem Radl durch die Stadt fahren und passiere dabei mehrere Ampelanlagen. Eine davon ist aber anders. Ich habe den Eindruck, dass sie mich nicht mag. Denn sie bleibt für mich meistens Rot. Die Anlage befindet sich an der Kreuzung Franz-Ludwig-Straße / Weingartenstraße / Am Exerzierplatz in Würzburg. Wenn ich mich aus Norden nähere ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich einfach mehrere Minuten vor der Ampel warten und dann letztlich auf den Gehweg wechseln muss. Dieses Problem wurde auch schon auf der Website des "Bündnis Verkehrswende jetzt" dokumentiert.

Ich wollte dem Rätsel auf den Grund gehen und habe die Anlage daher etwas beobachtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass das immer dann passiert, wenn ich mich der Anlage nähere. Wenn sich KFZ oder auch andere Radfahrende nähern, reagiert die Anlage jedoch und schaltet in der nächsten Phase auf Grün.

Was ist mit dieser Ampel? Nachfrage bei den Expert:innen

Daher habe ich mich an die Abteilung "Tiefbau" der Stadt Würzburg gewendet und nachgefragt, was das Besondere an dieser Anlage ist. Dabei erfuhr ich, dass sich im Boden vor der Anlage eine Induktionsschleife befindet. Das sind Kabelschleifen, in welche Spannung induziert wird, wenn sich Metall an Ihnen vorbeibewegt. Scheinbar ist die Schleife nicht fein genug eingestellt und erkennt daher mein Fahrrad nicht. Mir wurde versichert, dass die Stadtwerke Würzburg, welche die Ampeln in der Stadt technisch betreuen, sich um das Problem kümmern werden.

Diese Induktionsschleifen befinden sich meist ca. drei bis fünf Meter vor der Haltelinie unter der Asphaltdecke. Sie reichen jedoch oft nur ca. einen Meter weit bis vor die Mittellinie. Das wiederum ist notwendig, damit Gegenverkehr die Schleife nicht auslöst. Aber zugleich ist das schlecht für mich. Denn ich möchte links abbiegen und fahre daher vermutlich nicht einmal darüber hinweg.

Zugleich ist der Hauptteil meines Fahrrads aus Aluminium. Bitte nagelt mich nicht fest. Ich habe kein Physikstudium. Aber wenn ich mich recht erinnere, ist Aluminium nicht ferromagnetisch und sollte daher keine Spannungen induzieren. Bei Rädern aus Carbon wäre das Verhalten dann ähnlich.

Manchmal sind diese Schleifen sogar sichtbar. Nämlich dann, wenn diese nachträglich installiert wurden. Dann wird die Fahrbahndecke einfach einen Spalt mit dem Trennschleifer geöffnet und die Kabel werden eingelassen. Hier könnt ihr sehen, wie das dann aussieht: https://de.wikipedia.org/wiki/Induktionsschleife

Oft ist der Straßenbelag aber drüber. Manchmal befinden sich am Bordstein auch winzige Kästchen, die das Signal zur Steueranlage funken. Daran sind die Schleifen auch manchmal zu erkennen.

Aber warum muss die Ampelanlage das Fahrrad überhaupt erst erkennen?

Warum schaltet die Ampel nicht einfach nach einer Weile von selbst auf Grün? Oder warum schaltet die Anlage nicht einfach mit der gegenüberliegenden Seite? Mir ist nämlich auch aufgefallen, dass die gegenüberliegenden Fahrzeuge sehr wohl Grün bekommen, während ich mit Dauerrot an der Anlage stehe und Phase für Phase warten muss.

Die einfache Antwort lautet: Die Anlage muss brutal effizient sein. Jede zusätzliche "Konfliktpartei", welche die Kreuzung passieren will, bedeutet wertvolle Sekunden on top, die eingeplant werden müssen, damit der Kreuzungsbereich geräumt werden kann. Diese Zeiten werden für jede Kreuzung individuell berechnet und die Ausgangsvariablen sind gesetzlich vorgeschrieben. So werden zum Beispiel Geschwindigkeiten von 14m/s für KFZ, 4m/s für Fahrräder und 1,2m/s für Fußgänger:innen angenommen, die zur Verfügung stehen, um den Gefahrenbereich zu räumen. Die Städte sind voll. Der Verkehr soll möglichst glatt laufen. Hier geht es immer darum "Verlustzeiten" zu minimieren. In meinem Fall bedeutet es, dass die Anlage warten müsste, bis ich nach allen anderen Fahrzeugen ganz am Schluss links abgebogen bin.

Die Antwort gefällt mir persönlich nicht. Ich will das hier eigentlich einfach nur neutral beschreiben und erst mal nicht werten. Ich bin aber auch der Meinung, dass unsere Städte einfach zu voll mit motorisiertem Individualverkehr sind. Vermutlich bräuchten wir keine mega optimierten Ampelschaltungen, die sowieso nur zuverlässig Autos erkennen, wenn es nicht so viele KFZ gäbe. Dann müssten auch nicht die sowieso schon schwächeren Verkehrsteilnehmer:innen zusätzlich Abstriche machen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Grundsätzlich müssen sich alle anmelden

Aus diesem Grund müssen sich alle Verkehrsteilnehmer:innen an modernen Ampelanlagen grundsätzlich anmelden. In den meisten Fällen funktioniert die Anmeldung vollständig automatisch. Zum Beispiel dann, wenn Autos über Induktionsschleifen oder Radarsensoren fahren. Einige Anlagen verfügen auch über Kameras, um Verkehr zu erkennen. Bei einigen Fahrzeugen funktioniert das nicht so gut. Zum Beispiel manchmal bei Fahrrädern. Und bei Fußgänger:innen funktioniert es überhaupt nicht. Es gibt bis heute keine Technik, die erkennen kann, ob eine Person eine Fahrbahn überqueren möchte, oder ob diese einfach nur steht und wartet. Das ist auch der Grund warum Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, sich selbst durch Drücken (betteln) anmelden müssen.

Mögliche Lösungen für diese und ähnliche Stellen

Eine mögliche Lösung wäre, eine zweite Induktionsschleife in den Boden einzulassen. Über diese kann dann die Fahrtrichtung erkannt werden und somit Gegenverkehr. Dann können die Schleifen nämlich bis zur Mitte der Fahrbahn oder darüber hinaus verlegt werden und könnten wesentlich empfindlicher eingestellt werden. Andere Lösungen wären der Einsatz von Kameras oder Radarsensoren an dieser Stelle.

Aber auch ganz grundsätzlich sollten wir uns die Frage stellen, warum diese Art von Ampelschaltungen überhaupt notwendig ist und warum so viel Energie in den effizienten Verkehrsfluss von KFZ gesteckt werden muss. Das geht auf Kosten von Rad- und Fußverkehr. Eine ideale Zukunft für Stadt und Verkehr sieht meiner Meinung nach anders aus.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/ampel-verkehr-licht-rot-leuchte-66579/